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Sieben Wünsche für eine gute Zukunft unserer Stadt

 

Aus der Vogelperspektive betrachtet, ist in Mainz die Welt in Ordnung. In aktuellen Städterankings belegt die Stadt vordere Plätze im Hinblick auf Lebensqualität, Kreativitätspotenziale oder wissensintensive Dienstleistungen. Geprägt durch Fastnacht, Dom und die Nullfünfer lässt sich das Lebensgefühl der Mainzer im Bewusstsein einer „Great Wine Capital“ als leicht, zufrieden und fröhlich beschwingt beschreiben. Umso irritierender war es, wie sehr sich im Zuge des ersten Bürgerentscheides der Stadt über die Erweiterung des Gutenberg-Museums durch den sogenannten Bibelturm die Tonlage zwischen einzelnen Bürgerinitiativen und im gesamten politischen Raum verschärfte.

 

Was steht dahinter? War es wirklich nur ein Entwurf für eine Museumserweiterung, der nicht gefiel? Äußert sich hier ein tiefergreifendes Misstrauen gegenüber der Stadtpolitik, die aktuellen Herausforderungen der Stadt nicht richtig anzugehen?

 

Vor diesem Hintergrund hat sich eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die sich Mainz verbunden fühlen, Gedanken darübergemacht, welche baulichen Veränderungen, stadtplanerischen Strategien und kulturellen Akzente nötig sind, um sichtbare und langfristige Entwicklungen anzustoßen. Der Mainzer Appell richtet sich an den neu gewählten Rat, die Dezernenten und die zukünftigen Oberbürgermeisterkandidaten.

 

Notwendig für eine zukunftsfähige Entwicklung unserer Stadt sind nach unserer Überzeugung

 

·       ein strategisches Gesamtkonzept („Master Mainz“)

 

·       klare Prioritätensetzungen und

 

·       ein Leitmotiv.

 

 

 

Konkret sieht unsere Vorstellung einer auch in Zukunft lebenswerten und attraktiven Stadt Mainz wie folgt aus:

 

1.   Das Rheinufer sollte erlebbarer, grüner und besser zugänglich werden.
„Rhein in die Stadt“ könnte das Motto lauten, das hierfür als Leitidee die planerische Maxime setzt. Der Rhein sollte als Entrée in die Stadt wahrnehmbar sein. Dazu müssten die Zugänge vor allem im Bereich Rheinstraße/Rheinallee (Hilton, Rheingoldhalle, Rathaus) offener und attraktiver gestaltet werden. Das Mobiliar im Bereich der Uferpromenade (Straßenbelag, Beleuchtung, Bänke, Bepflanzung) sollte einem klaren Konzept folgen. Dies alles mit dem Ziel, diesen prominentesten Erholungs- und Erlebnisraum der Stadt für Bürger und Besucher einladender, hochwertiger und grüner zu gestalten als er sich heute präsentiert.

 

 

 

2.  Gutenberg-Museum und Stadtbibliothek brauchen ein grund-legendes Sanierungs- und Entwicklungskonzept.
Beide führen derzeit ein Schattendasein und werden von der Stadt, die sich gerne als „Medienstadt“ rühmt, stiefmütterlich behandelt. Museen und Bibliotheken dienen der Wissensvermittlung, der Erinnerungskultur und der Selbstvergewisserung eines Gemeinwesens. Nach dem leidenschaftlich geführten Streit um den Bibelturm 2017/18 ist es jetzt an der Zeit, die Zukunft des Gutenberg-Museums in einer konzertierten Aktion von Grund auf neu zu planen und dabei zugleich die notleidende Stadtbibliothek mit im Blick zu haben. Dabei sollte nicht allein der bisherige Standort des Gutenberg-Museums in Betracht gezogen werden. Vielmehr sind auch andere Optionen, die zudem eine Lösung für das stadthistorische Museum eröffnen, mitzudenken. Denn Mainz hat es bisher nicht vermocht, seine überaus reiche, mehr als 2000jährige Stadtgeschichte in einer Gesamtschau für ein breites Publikum innerhalb und außerhalb der Stadt museal darzustellen.

 

 

 

3.  Die Sanierung des Mainzer Rathauses ist überfällig.
Als erstes Rathaus dieser Stadt ist es historisch bedeutsam und steht zugleich als international herausragendes Beispiel der Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz, wurde jedoch jahrzehntelang baulich vernachlässigt. Entsprechend müssen nun endlich, mit den durch den Stadtrat bereits freigegebenen Geldern, die dringend erforderlichen Maßnahmen zur Instandsetzung begonnen werden. Dazu gehören so weit möglich die Heranführung an energetische Standards des 21. Jahrhunderts und auch eine verbesserte städtebauliche Einbindung des Gebäudes im Bereich der Tiefgaragenzufahrt sowie die Öffnung des Jockel-Fuchs-Platzes zum Rhein. Diese Weiterentwicklungen sollten nicht an einem zu niedrig angesetzten Kostenrahmen scheitern.

 

 

 

4. Der Status von Mainz als „Great Wine Capital“ sollte stärker als Marke profiliert und im Stadtbild greifbarer werden.
Weinbau, Weinkultur und Weingenuss gehören untrennbar zu Mainz. Jenseits von Altstadtgastronomie und Marktfrühstück ist davon in der Stadt aber kaum etwas zu spüren. Wo ist ein repräsentatives Weinkontor in attraktiver Lage, in dem Weine aus der Region verkostet und gekauft werden können? Der Ort, an dem ausländische Touristen Weine aus Mainz und Rheinhessen entdecken und sich über dessen Besonderheiten informieren können? Ein Haus, in dem Weinseminare, Weinproben sowie Weinpräsentationen stattfinden können und das zudem gegebenenfalls auch für Feiern genutzt werden kann? Dass Mainz eine „Great Wine Capital“ ist, sollte nicht nur stolz auf den Schildern am Eingang der Stadt verkündet werden, sondern als Alleinstellungsmerkmal stärker betont und offensiver vermarktet werden.

 

 

 

5.  Mainz braucht einen Entwicklungsplan für seine Plätze.
Die gute Stube der Stadt ist der öffentliche Raum. An vielen Stellen bietet dieser derzeit ein trauriges Bild: Bahnhofsplatz, Münsterplatz, Ernst-Ludwig- bzw. Helmut Kohl-Platz, der Zustand und die Umgebung von Rathaus und Kurfürstlichem Schloss – das „Goldene Mainz“ hat leider viele Schmuddelecken. Ein sektoraler Entwicklungs-Plan sollte eine Hierarchie der öffentlichen Plätze und Räume anhand ihrer Funktionen formulieren und darauf aufbauend Entwicklungsprioritäten und konkrete Maßnahmen vorsehen. Zentrale Bedeutung kommt dabei einem Katalog für das Stadtmobiliar (Bodenbelag, Möbel, Begrünung, Beleuchtung, Beschilderung) und seiner nachhaltigen Pflege zu.

 

 

 

6.  Mainz muss sauberer werden!
Einzelne repräsentative Stadteingänge (Pariser Tor, Europakreisel, Theodor Heuss-Brücke) wirken einladend und sind zum Teil kunstvoll bepflanzt. An vielen anderen Stellen aber (Autobahnzubringer Gonsenheim, Hochstraße Mombach, Koblenzer Straße, Wormser Straße) wuchert an den Leitplanken meterhoch das Unkraut und die Seitenstreifen sind zugemüllt. Am Rheinufer und in der Innenstadt quellen die Papierkörbe über oder fehlen ganz. Der städtische Entsorgungsbetrieb leistet tolle Arbeit, aber er allein ist überfordert. Wünschenswert wäre eine pfiffige PR-Kampagne mit Plakaten, Spots in den sozialen Netzwerken sowie im ÖPNV, die an die Mainzerinnen und Mainzer appelliert, ihren Teil beizutragen für ein lebenswertes Mainz: „Sauber ist cool!“

 

 

 

7.  Mainz muss raus aus den Schulden!
Die aktuelle Verschuldungslage schränkt die freie Handlungsfähigkeit der Stadt erheblich ein und bringt sie in Abhängigkeit der Genehmigungen seitens der ADD. Ohne ideologische Scheuklappen und parteipolitische Präferenzen sollte deshalb ein Plan zur Wirtschaftsentwicklung erstellt werden. Vorrangiges Ziel sollte es dabei sein, konkrete Maßnahmen zu benennen, wie die Finanzen der Stadt schrittweise in ein strukturelles Plus geführt werden können. Priorität genießen deshalb eine offensive Ansiedlungs- und Genehmigungspolitik und damit die Erhöhung des Gewerbesteueraufkommens. Die strukturelle Entschuldung der Stadt wird nur mit Hilfe von Bund und Land gelingen können. Die kommunalen Vertreter müssen parteiübergreifend darauf dringen, dass Bund und Land bei zusätzlichen Aufgabenzuweisungen und bei Einrichtungen von überregionaler Bedeutung die Kosten übernehmen.

 

 

 

Für Mainz eine gute Zukunft zu gestalten schließt auch ein, folgende Schlüsselfragen beherzt zu diskutieren: Wie weit soll Mainz in den nächsten 25 Jahren wachsen? Ist die Ausweisung eines neuen Stadtteils sinnvoll und wenn ja, wo? Wie kann die Anbindung der Stadt an Rheinhessen und das Rhein-Main-Gebiet verbessert werden? Wie kann Mainz befreit von Egoismus und Eitelkeit mit den rheinhessischen Umlandgemeinden kooperieren? Brauchen wir ein „Twin-City-Konzept“ für Mainz und Wiesbaden, auf dessen Grundlage beide Städte – unbenommen ihrer je eigenen Identität und Landeszugehörigkeit – in zentralen Fragen von Mobilität, Ressourcenverbrauch, Daseinsvorsorge, Wirtschaftsförderung, Kultur- und Sportstätten etc. künftig gezielter und umfassender kooperieren als bisher?

 

Wir sind überzeugt, dass Mainz ein strategisches Gesamtkonzept („Master Mainz“) braucht, um Kräfte zu bündeln und auch kleine Schritte in die richtige Gesamtrichtung zu lenken.

 

 

 

Die Erstunterzeichner

 

Mainz, Juni 2019